Die Tang-Dynastie

Die Tang-Dynastie (618-907) hatte 20 Kaiser und eine Kaiserin aus 14 Generationen und war mit einer Dauer von 289 Jahren die längste Dynastie in der chinesischen Geschichte. Davon fiel fast die Hälfte der Dauer mit fast 130 Jahren auf das sogenannte Goldene Zeitalter.

Aufstieg und Entwicklung zum Goldenen Zeitalter

Als die Bauernaufstände im ganzen Land aufflammten, organisierten Aristo­kraten, Beamte und Grundherren eigene Armeen und versuchten, ihre eigene Macht zu erhalten und auszubauen. Der Erbaristokrat Li Yuan (565-635), zu jener Zeit Garnisonskommandant in Taiyuan, führte im Jahr 617 eine Meuterei an und eroberte die Sui-Hauptstadt Chang’an. Nach dem Mord am Kaiser Yangdi im darauffolgenden Frühjahr ernannte sich Li Yuan in Chang’an zum Kaiser, in der Geschichte als Kaiser Gaozu (Reg. 618-626) bekannt, und gründete ein neues Regime, die Tang-Dynastie.

Nach seiner Thronbesteigung gelang es Li Yuan mit Hilfe seines Sohnes Li Shimin (599-649), auch Li Mi und Du Fuwei für seine Dienste zu gewinnen, den Bauernführer Dou Jiande zu unterwerfen, die unabhängigen Regime der Grundherren zu vernichten und schließlich im Jahr 623 ganz China zu vereinigen. Drei Jahre später sah er sich gezwungen, zugunsten seines Sohnes Li Shimin abzudanken. Li Shimin wird in Geschichtsbüchern unter seinem Kaisernamen Taizong (Reg. 627-649) geführt.

Kaiser Taizong zog wichtige Lehren aus dem raschen Verfall der einst mächtigen Sui-Dynastie und forderte seine Minister auf, zu politischen Fragen frei ihre Meinung zu äußern. Politische Reformen wurden auf der Grundlage der Sui-Institutionen durchgeführt. Militärisch übernahm die Tang-Dynastie das Wehrpflichtsystem der Nördlichen Zhou- und der Sui-Dynastie. Im ganzen Land wurden 634 Kommandanturen eingerichtet, von denen jede 1000 Soldaten befehligte. In Friedenszeiten sollten die Soldaten dem Ackerbau nachgehen. Ein neues Strafgesetz wurde auf der Grundlage des der Sui-Dynastie ausgearbeitet. Dieses Gesetz stellte zusammen mit den Ausführungen des Strafgesetzes der Tang das vollständigste feudale Gesetzbuch in der chinesischen Geschichte dar und hatte großen Einfluss auf alle späteren feudalen Kodexe. Taizong war sehr darauf bedacht, begabte Leute in seine Dienste aufzunehmen. In der Gründungsphase der Tang-Dynastie gelang es ihm, zahlreiche fähige Leute aus dem feindlichen Lager für sich zu gewinnen. Die in der Sui-Dynastie eingeführte Kaiserliche Prüfung für den Zivildienst wurde unter Kaiser Taizong zur Auswahl begabter Personen erweitert.

Nach Kaiser Taizongs Tod folgte sein Sohn Li Zhi (628-683) als Kaiser Gaozong (Reg. 649-683) auf den Thron. Dessen Gemahlin Wu Zetian (624-705), eine tüchtige Frau mit politischen Ambitionen, nahm ab 655 an den Hofangelegenheiten teil und hielt fünf Jahre später alle Macht in ihrer Hand. Im Jahr 690 bestieg sie offiziell den Thron, ersetzte die Tang-Dynastie durch die Zhou-Dynastie und nannte sich Kaiserin Shengshen (Reg. 690-705). Erst als sie im Jahr 705 starb, wurde die Bezeichnung Tang wiederhergestellt. Die einzige Kaiserin in dei chinesischen Geschichte regierte praktisch ein halbes Jahrhundert. In dieser Zeit wurde die Macht des Herrscherhauses zwar stark geschmälert, die von Kaiser Taizong geschaffene politische Situation bestand jedoch fort, und die Sozialökonomie entwickelte sich weiter. Die Anzahl der Haushalte des ganzen Landes vermehrte sich von 3,8 Millionen vor ihrer Thronbesteigung auf 6,15 Millionen bis zu ihrem Rücktritt.

Der Höhepunkt an Macht und Wohlstand in der Tang-Dynastie wurde unter Kaiser Xuanzong (Reg. 712-756) erreicht, der nach sieben Jahren politischer Unruhen, die auf den Tod der Kaiserin Wu Zetian folgten, den Thron bestieg. Er führte politische Reformen durch und machte fähige Leute zu wichtigsten Beamten des Kaiserhofs. Kritik und Ratschläge seiner Minister fanden bei ihm ein offenes Ohr. In den ersten rund 30 Jahren seiner Regierung wurde das Land stark und reich, die Bevölkerungszahl stieg gewaltig.

In dieser Zeit der politischen Stabilität entwickelte sich die Wirtschaft des ganzen Landes enorm. In der Landwirtschaft wurde ein neuartiger Pflug eingesetzt. Höhere Erträge waren die Folge. Tee wurde als Marktprodukt entwickelt, es gab bereits große Teeplantagen. Mehrere Wasserregulierungsanlagen wurden errichtet. Die Manufakturen vermehrten sich, manche erreichten schon ein bemerkenswertes Ausmaß. Mehr als 100 Kupfer-, Eisen-, Silber- und Zinnhütten existierten im ganzen Land. Die Produktion von Ton- und Porzellanwaren erreichte einen nie da gewesenen Stand, das blassgrüne Seladon und die dreifarbige Tang-Keramik fanden immer mehr Liebhaber. Auch Schiffbau und Papierherstellung machten große Fortschritte. Der Handel florierte. Chang’an, Luoyang, Yangzhou, Jingzhou (heute Jiangling, Provinz Hubei), Mingzhou (heute Ningbo, Provinz Zhejiang), Chengdu und Bianzhou waren bekannte Großstädte. Nicht zuletzt entwickelte sich der Verkehr, und der Changjiang und der Große Kanal waren die belebtesten Wasserwege für den Passagier- und Gütertransport.

In das Goldene Zeitalter der Tang fielen auch die engeren Bezie­hungen zwischen den verschiedenen Völkern innerhalb der chinesischen Grenzen, wenn es auch mitunter zu bewaffneten Konflikten zwischen ihnen kam.

Verstärkte Verbindungen mit ethnischen Minderheiten und mit dem Ausland

Die Tujue, ein alter Volksstamm Chinas, hatten ursprünglich im Gebiet des Altay-Gebirges gelebt. In der frühen Sui-Dynastie teilten sich die Tujue in einen östlichen und einen westlichen Zweig. Um die Mitte des 6. Jahrhunderts erstarkten sie und kontrollierten weite Gebiete nördlich und südlich der Gobi sowie Gebiete östlich des Hinggan-Gebirges bis zur Gegend des Kaspischen Meeres. Zu Anfang der Tang-Dynastie sorgten die sog. Osttürken oft für Unruhen an der Nordgrenze des Tang-Reiches. Kaiser Taizong schlug nacheinander die beiden Türkenstämme zurück. Später errichtete die Tang-Dynastie in der Gegend von Qiuci (heute Kuqa in Xinjiang) und von Tingzhou (heute nördlich von Jimsar in Xinjiang) zwei Garnisonen. Fortan wurde der wirtschaftliche und kulturelle Austausch zwischen den Tujue und dem Han-Volk immer reger.

In der Provinz Yunnan lebten seit jeher mehrere Volksstämme. In der frühen Periode der Tang-Dynastie teilten sich sechs Volksstämme die Gebiete um den Erhai-See. Sie wurden die “Sechs Zhao” genannt und waren die Vorfahren der Yi- und der Bai-Nationalität von heute. Unter den Sechs Zhao waren die Nanzhao (die Südlichen Zhao) die mächtigsten. Unter der Regierung des Kaisers Xuanzong vereinigten sich die Nanzhao mit Erlaubnis des Tang-Hofes mit den anderen fünf Zhao-Völkern zum Nanzhao-Reich, und dessen Führer wurde vom Kai­ser zum König von Yunnan ernannt. Durch Handelskontakte fand die Tang-Kultur so auch im Süden des Landes Eingang.

Die Tubo waren die Vorfahren der heutigen Tibeter. Zu Anfang des 7. Jahrhunderts einigte Tubo-König Songzan Gambo (ca. 617-650) alle Stämme auf dem Qinghai-Tibet-Plateau. Er bat um die Hand einer Tang-Prinzessin, und Kaiser Taizong schickte im Jahr 641 die Prinzessin Wencheng (?-680). Durch diese Heirat wurden die wirtschaftlichen und die kulturellen Verbindungen zwischen den Han-Chinesen und den Tibetern immer enger. Viele Kinder von Tubo-Aristokraten studierten in Chang’an.

Die Nationalität der Mohe geht auf die Nationalität der Sushen zurück, und die Mohe waren die Vorfahren der Mandschus. Sie lebten in den Flusstälern des Heilongjiang, des Songhuajiang und des Wusulijiang sowie auf der Insel Sachalin. Sie waren in einige Dutzend Stämme geteilt, von denen die Stämme Heshui und Sumo die stärksten waren. Die Tang-Regierung ernannte den Führer des Heishui-Stammes zum Kommandanten einer neu eingerichteten Heishui-Garnison, gründete im Einzugsgebiet des Heilongjiang ein verhältnismäßig komplettes Verwaltungssystem und verstärkte dadurch die Verbindungen zwischen diesem Gebiet und dem Landesinnern. Gegen Ende des 7. Jahrhunderts vereinigte der Sumo-Stamm im Gebiet des Wusulijiang die Nach­barstämme und errichtete ein neues Regime. Die Tang-Regierung ernannte dessen Führer zum Statthalter der Provinz Huhan und verlieh ihm den Titel Prinz von Bohai. Die Sumo-Mohe schickten ihrerseits Leute nach Chang’an zum Studium, und diese brachten einheimische Produkte wie Zobelpelze und Ginseng nach Zentralchina und umgekehrt viele han-­chinesische Bücher in ihre Heimat.

In seiner Blütezeit entwickelte das Tang-Reich auch rege Kontakte mit vielen Ländern und Gebieten Asiens, darunter Korea, Japan, Indien, Pakistan, Afghanistan, dem Iran und Arabien. Unter Kaiser Gaozong (Reg. 650-683) beispielsweise kamen große japanische Gesandtschaften nach China, die größte zählte rund 500 Mitglieder.

Aufgrund der zahlreichen in- und ausländischen Verbindungen wurde die Tang-Hauptstadt Chang’an nicht nur zum Zentrum des Landes, sondern zu einer Weltmetropole im wahrsten Sinne des Wortes. Angehörige der ethnischen Minderheiten Chinas sowie ausländische Gesandte, Geistliche und Kaufleute strömten nach Chang’an, und alle brachten sie Waren mit sowie neue Musik, Tänze, Religionen und vielerlei Gebräuche. Manche von ihnen heirateten und siedelten sich an.

Turbulenzen in der mittleren Periode

Die Jahre 742-820, die mittlere Periode der Tang-Dynastie, waren gekennzeichnet durch Unordnungen in der Regierung, Streitigkeiten zwischen dem Hof und unabhängigen lokalen Kräften sowie und Zwietracht unter den verschiedenen Völkern Chinas.

Schon in der Anfangsperiode hatte die Regierung der Tang-Dynastie in den Grenzgebieten und in strategisch wichtigen Gebieten Zentralchinas militärische Generalgouverneure eingesetzt, um die Kontrolle über die weiten Gebiete des Landes zu verstärken. Später vergrößerte sich die Macht der Generalgouverneure immer mehr. Schließlich hatten sie nicht nur das Militär, sondern auch die Finanzen und Verwaltungen ihrer Gebiete in ihrer Hand.

Im Jahr 755 rebellierten An Lushan, der militärische Generalgouverneur von Pinglu (heute Südwest-Liaoning / Nordost-Hebei), Fanyang (heute das Gebiet um Beijing) und Hedong (heute das Gebiet um Taiyuan in Shanxi), sowie Shi Siming, einer seiner Offiziere, gegen die Tang-Dynastie, was als die „An-Shi-Revolte” in die chinesische Geschichte eingegangen ist. Von Fanyang aus zogen die beiden Rebellenführer mit 150 000 Mann südwärts durch Hebei und Shanxi und fielen in Henan ein. An Lushan ernannte sich im Jahr 756 in Luoyang zum Kaiser. Dann stürmten die rebellischen Truppen in die Hauptstadt Chang’an, der Tang-Kaiser Xuanzong floh nach Sichuan. Doch einige der Tang-Dynastie treu ergebene Generäle eroberten im darauf folgenden Jahr mit Unterstützung von uigurischen Truppen die Städte Chang’an und Luoyang wieder zurück. Nach einem fast achtjährigen Krieg wurden die Rebellen schließlich niedergeworfen.

Die An-Shi-Revolte brachte der Bevölkerung großes Unheil. Die Landwirtschaft lag darnieder, die Menschen irrten obdachlos und hungernd durchs Land. Die Generalgouverneure in verschiedenen Gebieten nutzten die Gelegenheit, erweiterten ihren Machtbereich und verstärkten ihre Streitkräfte, bis die Regierung nicht mehr in der Lage war, sie zu kontrollieren, und so kam es erneut zur Spaltung des Landes. Die ehemals so mächtige Tang-Dynastie ging von da an den Weg des Untergangs.

Bauernaufstände und Niedergang

In den letzten Jahren der Tang-Dynastie verloren zahlreiche Bauern ihren Boden, den Angehörige des Kaiserhauses, Aristokraten, hohe Beamte und große Grundherren an sich rissen. Manche Bauern wurden Pächter, andere verließen ihre Heimat. Die Steuern waren drückend. Das Getreide war noch nicht reif, da trieb die Regierung schon die “Steuer auf die grünen Sprossen” ein. Dazu kamen Naturkatastrophen. Viele Bauern verloren ihre Lebensgrundlage, Bauernaufstände waren nicht mehr zu vermeiden.

Im Jahr 874 kam es zu einem Bauernaufstand in Changyuan (heute Provinz Henan) unter Wang Xianzhi. Im darauf folgenden Jahr brach in Caozhou (heute nördlich von Caoxian, Provinz Shandong) unter Huang Chao ebenfalls ein großer Bauernaufstand los. Später schlossen sich die beiden Gruppen zusammen. Wang Xianzhi fiel, und Huang Chao über­nahm die Führung der Bauerntruppen und nannte sich “Hirn-, melsstürmender Oberbefehlshaber”. Er führte seine über 100 000 Mann über den Changjiang und trug den Kampf durch Anhui, Jiangxi und Fujian bis nach Guangzhou. Im Jahr 880 setzte er an der Spitze von mehr als 600 000 Mann erneut über den Changjiang in Richtung Norden und eroberte Luoyang und Tongguan. Der Tang-Kaiser floh Hals über Kopf nach Sichuan. Im Jahr 881 zog Huang Chao mit seinen Bauern­truppen im Triumph in die Hauptstadt Chang’an ein und gründete hier Regime, genannt die Große Qi.

Da die Bauerntruppen die kaiserliche Armee im Zuge des Sieges nicht weiter verfolgten, um sie endgültig zu vernichten, gewann diese die Gelegenheit zu einer Atempause und ging bald zum Gegenangriff über. Die Bauerntruppen hatten keine festen Stützpunkte und bekamen keinen Nachschub. So wurden sie endlich im Jahr 883 gezwungen, sich aus Chang’an zurückzuziehen. Im darauf folgenden Jahr fiel Huang Chao in einem Kampf, doch die restlichen Bauerntruppen kämpften noch viele Jahre hindurch weiter.

Obwohl die von Huang Chao geführten Bauerntruppen eine Niederlage erlitten hatten, war die Tang-Dynastie durch sie so ins Wanken geraten, dass sie sich davon nicht mehr erholte.

Im Verlauf der Kämpfe mit den Bauerntruppen hatten die Gene­ralgouverneure in den verschiedenen Gebieten ihre Macht weiter vergrößert. Vielerorts wurden Gewaltherrschaften errichtet, und am Hof verstärkten Eunuchen und Klüngel von Höflingen ihre Macht­kämpfe. Der wachsende Einfluss der Eunuchen am Hof und die lokalen Streitkräfte trugen zusammen zum endgültigen Untergang der Tang-Dynastie bei. Im Jahr 907 jagte Zhu Wen, der Generalgouverneur im heutigen Henan, den Tang-Kaiser Aidi davon und gründete die Spätere Liang-Dynastie.

Wirtschaftlicher und kultureller Austausch mit anderen Ländern

Die wirtschaftliche Blüte, die Entwicklung der Kultur und der Ausbau der Verkehrswege während der Tang-Dynastie hatten den wirtschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen China und anderen Ländern nachhaltig gefördert.

Zur Zeit der Tang-Dynastie war die Reichshauptstadt Chang’an ein internationales Zentrum, in dem sich Botschafter, Kaufleute, Studenten, buddhistische Mönche, Gelehrte, Fürsten und Amtsträger aller Herren Länder sammelten. Sie brachten ihre Kultur mit und lernten die chinesische Kultur kennen.

In der frühen Tang-Dynastie gab es auf der Koreanischen Halbinsel drei Staaten: Kokuli, Paikche und Silla, und zur Zeit des Kaisers Xuanzong (Reg. 712-756) vereinigte Silla ganz Korea. Silla unterhielt freundschaftliche Beziehungen zur Tang-Dynastie und sandte oft Studenten nach China. Allein im Jahr 840 kehrten beispielsweise 105 Studenten nach Abschluss des Studiums in China nach Silla zurück. Die Koreaner tauschten Pferde, Rinder, Baumwollstoffe, Jute und Heilmittel gegen Seide, Tee, Porzellan und Stickereien aus der Tang-Dynastie und brachten auch ihre Volkslieder, Tänze und Musikinstrumente nach China. Die offiziellen Beziehungen, die Japan seit der Han-Dynastie um das 1. Jahrhundert herum mit China unterhielt, gingen kontinuierlich weiter. Während der Tang-Dynastie kamen aus Japan insgesamt 19 offizielle Gesandtschaften mit mindestens 250 bis zu über 500 Mitgliedern nach China. Unter ihnen fanden sich außer Gesandten und Matrosen auch Studenten, Mönche, Ärzte, Künstler und Handwerker. Der japanische Student Kibino Makibi studierte in China 17 Jahre (717-734) und machte sich als Kapazität auf den Gebieten der Klassik, der Geschichte, des Rechts und der Technik einen Namen. Er nahm nach Japan viele Bücher mit und beeinflusste die Entwicklung der politischen Institutionen, der Kalenderberechnung und der Musik seines Heimatlandes ganz wesentlich. Ein anderer japanischer Student, Abeno Nakamaro, der im Jahr 717 nach China kam, stand in engen Beziehungen zu den großen Dichtern der Tang-Dynastie wie Wang Wei und Li Bai und arbeitete am Tang-Hof bis zu seinem Tod im Jahr 770.

Während der Tang-Dynastie gingen umgekehrt auch viele chine­sische Gelehrte nach Japan, der bekannteste davon war Jian Zhen (688-763), ein großer buddhistischer Gelehrter. Er wurde im Jahr 743 von japanischen Mönchen eingeladen, doch erst nach sechs vergeblichen Versuchen in mehr als zehn Jahren erreichte er schließlich im Jahr 754, als er mit fast 70 Jahren schon blind geworden war, sein Ziel. Er brachte den Buddhismus und einige buddhistische Schriften nach Japan und machte sich dort auch als Mediziner einen Namen. Nach seinen Plänen und unter seiner Leitung wurde im Jahr 759 in Nara der buddhistische Toshodai-Tempel gebaut. Damit führte er den Tang-Stil in die japanische Architektur und Bildhauerei ein. Eine von seinen Schülern geschaffene Statue, die ihn selbst darstellt, steht bis heute in diesem Tempel.

Der Mönch Xuan Zang (Tripitaka, 602-664) reiste im Jahr 627 nach Indien, um dort den Buddhismus zu studieren. Er lebte 15 Jahre in Indien, besuchte alle wichtigen Tempel und studierte bei den berühmten Mönchen die Lehren des Buddhismus. Er brachte 657 Bände buddhistischer Schriften nach China und übersetzte davon 75 ins Chinesische. Mit Hilfe seines Schülers Bian Ji schrieb er später das Buch Datang Xiyu Ji (Reise in die Westliche Region während der Großen Tang), in dem die Politik, Wirtschaft, Geographie, Geschichte, Sitten und Gebräuche sowie religiöse Gepflogenheiten von 138 Staaten Südwest- und Zentralasiens beschrieben wurden. Dieses Buch stellt ein wichtiges Dokument über die Geschichte dieser Länder und Gebiete Mitte des 7. Jahrhunderts dar.

Ein anderer bekannter Mönch, Yi Jing (635-713), kam im Jahr 671 auf dem Seeweg nach Indien, wo er 25 Jahre blieb und 400 buddhistische Bücher in Sanskrit sammelte. Im Jahr 695 kehrte er nach Luoyang zurück und schrieb die Bücher Naihai Ji Gui Nei Fa Zhuan (Aufzeichnungen der buddhistischen Praktiken, heimgesendet vom Südlichen Meer) und Datang Xiyu Qiu Fa Gaoseng Zhuan {Biographien der ehrwürdigen Mönche der Großen Tang, die in der Westlichen Region die buddhistischen Klassiker studierten) und übersetzte 56 buddhistische Schriften.

Aufzeichnungen zufolge gab es mehr als 20 indische Mönche, die während der Tang-Dynastie nach China kamen und an der Übersetzung buddhistischer Schriften arbeiteten.

Nicht nur mit den Ländern Süd- und Südostasiens, sondern auch mit zahlreichen Ländern Westasiens, Europas und Afrikas unterhielt China während der Tang-Dynastie gute Beziehungen. Persien, Arabien und das Oströmische Reich schickten Gesandte nach China. Seit der Aufnahme offizieller Beziehungen zwischen der Tang-Dynastie und dem Oströmischen Reich im Jahr 651 wurden Gesandte oftmals nach China geschickt. Zwischen 651 und 798 kamen allein aus Arabien über 30 Gesandtschaften nach China. In vielen Städten des Tang-Reiches waren arabische und persische Kaufleute, Studenten, Künstler und Geistliche anzutreffen. In Yangzhou beispielsweise lebten einige tausend Kaufleute aus Persien und Arabien, und in Guangzhou sogar noch mehr. Man schätzt, es seien einige zehntausend gewesen.

Die Seidenstraße erlebte während der Tang-Dynastie eine Blütezeit. Seide, kunsthandwerkliche Produkte und andere Waren wurden in großer Menge über diese “Straße” nach Westasien und Europa exportiert, und die chinesische Technik der Papier- und der Seidenherstellung sowie des Kunsthandwerks gelangte über Arabien nach Afrika und Europa. Umgekehrt kamen viele Tänze und Musikinstrumente aus Zentralasien nach China.

 

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